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KATALOG „Elisabeth Brockmann, DRAMA, RAUM UND LICHT“

230 Seiten mit 168 Farbabbildungen und Texten von Lothar Schirmer, Martin Seidel, Christos Stremmenos, Stephan Trescher, Margarethe von Trotta, Bernhard Waldenfels und Bernhard Wittenbrink, Kettler Verlag, ISBN 978-3-86206-981-1

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Das Drama begann in den 1980er Jahren mit Brockmanns Abschied von ihrem Lehrer Gerhard Richter, es führte sie über leuchtende Interventionen im öffentlichen Raum – z.B. erstrahlt das Dresdner Albertinum seit 2002 im Licht ihrer Fassaden-Installation – und wird jetzt gekrönt von der Inszenierung eines begehbaren Leuchtkastens in Dortmund.
Dort hat Brockmann die gläserne Decke des grandiosen Reinoldi-Lichthofs im Baukunstarchiv in ein Mosaik aus leuchtenden Farbflächen verwandelt, die an frühe Computerspiele erinnern. Tetris lässt grüssen. Und zugleich glüht das Glasdach wie ein gigantisches Kirchenfenster, das sich noch dazu in 21 großen Spiegeln fängt und den Raum ins Unendliche erweitert.

Doch das atemberaubende Leuchten des fragilen Glasdachs wurde teuer erkauft mit immensen Strapazen, die der Katalog dokumentiert:

„Seit heute kriechen wir wieder auf dem Dach herum, und es ist eine Quälerei, die ich eigentlich nicht mehr vertreten kann. Die drei Männer hängen in sengender Hitze in ihren Kletter-Geschirren und arbeiten sich auf den Knien zentimeterweise vor, müssen ständig unter Dachstreben hindurchkriechen und auf meine Ansage hin Folien verteilen, die dann auch noch manchmal zu groß sind, weil die Karrees kleiner sind als ausgemessen (wir konnten ja ohne Klettergeschirr bisher nur die an den Rändern ausmessen). Zwischendurch kam dann noch der Fotograf und wollte „Künstlerin bei der Arbeit“-Fotos machen, was sogleich dazu geführt hat, dass ich mich mit meinen Ansagen verheddert habe und die Jungs meine Fehler dann mühsam wieder beheben mussten.
Im Moment kann ich mir kaum vorstellen, dass es eine normale Eröffnung gibt mit Häppchen und freundlichen Reden. Eigentlich müsste ich im Büßerhemd dastehen und Abbitte leisten für den Irrsinn, auf den ich mich eingelassen und zu dem ich meine Mitarbeiter verleitet habe. Mir selbst ist heute manchmal so blümerant geworden, dass ich das Gefühl hatte, nicht mehr auf den Beinen stehen zu können. Und bei den Männern habe ich gesehen, wie bleich sie oft waren, wenn sie sich kurzfristig unter ihren Helmen aufgerichtet haben und gleich wieder mit dem Kopf vor das Dachgerüst schlugen. Ich habe wahnsinnige Angst, dass einer von ihnen ohnmächtig wird, auf das Glas fällt und durchbricht. Wenn morgen nichts passiert, sollten wir das Schlimmste geschafft haben.“

Das jetzt erschienene Buch „Elisabeth Brockmann, DRAMA, RAUM UND LICHT“ dokumentiert dieses Ereignis als vorläufigen Höhepunkt eines Gesamtwerks, das sich über vier Jahrzehnte entwickelt hat und hier nachvollziehbar wird.

Elisabeth Brockmann im Gespräch mit Markus Lehrmann:  Open PDF